Vancouver - Pacific Coast - Mexico - Arizona

A bike ride August, 23rd to December, 2nd

Berichte von 10/2016

31Oktober
2016

Parker Arizona

Unser Plan A ging heute auf! Von 29 Palms bis Parker sind es gute 180 km durch die menschenleere Mojave-Wüste. Unser Plan war zu Trampen - und er ging auf. Nach ca 35 Minuten hielten 2 junge chinesische Pärchen mit ihrem Pick-up Dodge. Ich will nicht verhehlen, daß wir schon ein wenig an einem Plan B arbeiteten, da nur so wenige Autos in diese Richtung fuhren. Die Alternative wäre irgendwie wieder zurück radeln oder versuchen ein Auto zu mieten gewesen.So luden wir erleichtert die Räder auf die Ladefläche und stiegen ein. Karl bekam den besten Platz und ich quetschte mich zu den dünnen Mädchen und dem anderen jungen Mann auf die Rückbank. Vielleicht erinnerten sie sich an den in ihrer Kultur verwurzelten Respekt, den man alten Menschen entgegenbringt. Sie sprachen jedoch kaum englisch, obwohl sie bereits seit 5 Jahren in den USA leben. Wohin sie fahren, konnten sie uns auch nicht genau sagen, aber für uns war klar, da kommt nichts unterwegs, also sind wir richtig. Etwas mulmig wurde uns , als Eva erklärte sie fahren nur 32 mi. Hoppla, dann stehen wir in der Wüste und haben ein Problem. Es stellte sich aber als Mißverständnis raus und sie fuhren bis Vidal Junction. Eine Kreuzung zweier Straßen von Nord nach Süd und West nach Ost, ca 30 km vor Parker im Niemandsland. Eine Tankstelle, ein kleiner Laden, eine Lastwagenkontroll-Stelle, das war's. Bruce fuhr sehr umsichtig, kilometerlang kam auch gar kein Auto. Wir haben nur rauskriegen können, daß sie schon 5 Jahre in den USA leben, zwei miteinander verheiratet sind und eine kleine Tochter haben. Wo sie genau wohnen und wohin sie unterwegs waren, blieb uns ein Rätsel. Unterwegs waren wir mehr wie einmal dankbar, daß sie uns mitgenommen haben. Nichts heißt wirklich nichts, Sand und kleine Büsche so weit das Auge reicht. Ein paar Berge kamen auch zwischendrin. Wir hätten die Strecke auch im Sommer, wenn es länger hell ist, nicht geschafft In Vidal Junction konnten wir sie nur mit Mühe davon abhalten uns bis Parker zu fahren, aber mit 4 Flaschen Wasser und einem Kilo Snickers entliessen sie uns dann doch! Was für ein Erlebnis! Es gibt sicher auch nicht allzuviele, die ihren Geburtstag mit trampen durch die Wüste feiern, in diesem Alter!

Nach Parker kamen wir dann sehr gut, die Straße ließ zu wünschen übrig , aber der Verkehr hielt sich in Grenzen. Wir überquerten den Colorado-River, der die Grenze zwischen Kalifornien und Arizona bildet und sind doch wieder in einer Wüstenstadt gelandet. Staubige, sandige Straßen, Palmen, die Straßenblocks sind angelegt aber nur wenige Häuser errichtet. Das hat schon wieder was von Endzeitstimmung.

Colorado-River                                              good-bye California

 

Impressionen aus dem Fast-Food                    Abend in Parker

Heute ist ja auch Halloween, hier merkt man gar nichts davon. Beim Abendessen saßen am Nebentisch ein paar geschminkte, ganz junge Krankenschwestern, die von der Kellnerin "Süßes" bekamen. Das war's. Der Halloween-Umzug war bereits am 23.10. hier, schade, daß wir das verpaßt haben.

Den Nachmittag haben wir mit der Planung der Weiterreise verbracht, nachdem Plan A wider Erwarten geklappt hat. Wir radeln zunächst weiter Richtung Norden zur Route 66 und zu einigen ghost-towns, yeah!!

Da radeln wir stundenlang durch den National-Park, wo überall vor Trantulas gewarnt wird und wo sehen wir eine ? Auf dem Highway!

  Das ist Reisen in den USA: Am Riesenwohnmobil hängt der Riesen-PKW, mit so einem Gespann käme man bei uns nirgends durch.

Ach Karl, ist der Geburtstag schon vorüber....dabei haben so viele an dich gedacht und mit guten Wünschen bedacht! Gab es doch das gute "Kilt-Lifter-Bier" in Parker.

30Oktober
2016

Twentynine Palms

Heute sind wir ausgiebig durch den Johsua Tree Nationalpark geradelt. Eine unglaubliche Landschaft mit Wüsteneichen, Yuccapalmen, Wüstenpinien und eben den Joshua Trees. Diese gehören zur Familie der Agaven, sind eigentlich gar keine Bäume. Ihren Namen haben sie von den Mormonen erhalten, der Baum erinnerte sie an Josua der mit ausgestreckten Armen den Israeliten den Weg ins gelobte Land weist. Man muß schon Mormone sein, um das nachvollziehen zu können und/oder ein Stück Rinde rauchen! Aber trotzdem, die Bäume sind schon beeindruckend, so gar nicht mit einem Baum oder Wald bei uns zu vergleichen. Mindestens genau so sehenswert sind die Felsformationen, entstanden bei Erdbeben. Der Andreasgraben verläuft mitten durch den Nationalpark. Die Felsen sind bei Klettereren bekannt und beliebt, vor allem im Herbst und Winter, wenn die Temperturen auf der 1400 m hohen Hochebene erträglich sind. Im Sommer kann es bis zu 50° haben. Heute war es auch sehr angenhem, wenn auch ein sehr böiger Süd-Westwind blies, nicht immer unsere Fahrtrichtung. Natürlich gibt es auch zahlreiche Wanderwege, wovon wir sind auch ein paar gewandert sind. Tiere sieht man leider keine, fast keine, wenn man vom Jack-Rabit -ein Hase mit ganz langen Ohren- und einer kleinen Schlange absieht. Die Abfahrt war gigantisch, bzw wäre sie gewesen, wenn dieser extrem böige Wind nicht gestört hätte. Von 1440 m ging 14 km  auf 600 m nach Twentynine Palms hinunter. Die Stadt hat viel mehr als 29 Palmen, aber das war die Anzahl , die ein Geograph 1852 hier zählte. Westlich des Colorados war hier lange nur ein weißer Fleck auf der Landkarte. Morgen soll es weiter in Richtung Osten gehen, durch die Mojave Wüste.

Vor den Felsen könnte man stundenlang sitzen und würde immer neue Gesichter und Figuren entdecken.

 

 

 

29Oktober
2016

Yucca Valley

Die beiden letzten Tage waren anstrengend, sowohl physisch wie psychisch...wir hatten gestern 2 x Plattfuss und unsere Flicken sind aufgebraucht. Was ist nur los dieses Jahr?!

Salton City haben wir nach einem schönen Sonnenaufgang verlassen.

Kaum 10 Kilometer weiter begann Landwirtschaft.

 

  Dattelpalmen, Wein und Gemüse werden angebaut - kaum zu glauben, was Wasser bewirken kann. Da hatte Karl den ersten Plattfuss, ein langer Nagel hatte sich in den Reifen gebohrt. Weiter ging es nach Palm Springs, nach 10 weiteren Kilometern der nächste Plattfuss, den wir mit dem letzten Flicken beheben konnten. Vorsichtshalber hielten wir beim nächsten MacDonald, um das Internet zu nutzen und nach einem Radladen Ausschau zu halte..Erst nach gut 20 Km kam das nächste, wir riefen dort an, ob sie auch wirklich geöffnet haben und radelten los. Nun ist die Region um Palm Springs mit 450 000 Einwohnern ja nicht gerade dünn besiedelt. Wir schafften es zum Radladen und sehr kompetente Jungs tauschten den maroden Schlauch. Wir deckten uns gleich mit Ersatzschlauch und Flickzeug ein. Diese Hoffen und Bangen, hält der Schlauch, der Verkehr und die Hitze hatten uns müde gemacht.

Wir fanden die apple Zentrale!!

Auch hier sieht man was Wasser in der Wüste bewirken kann, die Straßen sind von grünem Rasen , Palmen und Blumenrabatten gesäumt. Golfplätze an jeder Ecke, als gäbe es kein Wasserproblem in Kalifornien. 

Heute morgen sind wir zeitig los , um der Hitze zuvor zu kommen. Es stieg auch praktisch gleich vom Motelparkplatz aus an. Yucca Valley, unser heutiges Ziel, liegt über 1000 m hoch. Die Steigungen gingen so, allerdings waren zwei lange Anstiege, bei denen man bis oben hin sieht und man das Gefühl hat, man kommt gar nicht näher. Da stellt man sich doch kurz die Sinnfrage....Der Verkehr war leider auch heftig und der Seitenstreifen schlecht.  Doch wir erreichten Yucca Valley und hatten Zeit noch 250 weitere Höhenmeter zurückzulegen, um nach "Pioneertown" zu gelangen. Dieser Ort wurde in den 1940er Jahren als Filmkulisse errichtet. Die Häuser dienten den Schauspielern und der Crew als Unterkunft. Als die Zeit der Cowboy-Filme vorrüber war, geriet alles ein wenig in Vergessenheit, bis sich vor ca 20 Jahren einige Leute hier einquartierten und eine Wild-West-Stadt mit Schauspiel auf der Main-Street, Gun-fight im Saloon ect. aufzogen. Zum Wohnen ein Traum! Es macht richtig Spaß die Hauptstraße entlang zu schlendern, wir schauten beim Sattler vorbei. Die beiden älteren Herren waren schon sehenswert, ebenso ihre wunderbaren Sättel! Große Aufregung war vor 2 Wochen, als Sir Paul McCartney spontan vor 300 Zuschauern in der Bowling Hall des Ortes auftrat! Um 11 Uhr war das Gerücht im Internet und um 14 Uhr standen 3000 Leute für Karten an! In der Bowling Hall sind wohl immer wieder Konzerte von Rock - Pop und Country-Stars. 

Wir kamen gerade rechtzeitig, um einige kurze Sketche der Theatergruppe anzusehen, die auf der Hauptstraße auftrat, das hat richtig Spaß gemacht. Mit viel Knallerei, Whiskey, hübschen Bargirls und Cowboys - einfach super.

 

 

27Oktober
2016

Salton City

                                                      Campingfreuden

Die Wüste lebt  - nicht. Wir sahen kein einziges Lebewesen. Die Indianer bezeichneten diese Region im Osten des Anza-Borrego-Desert State Park als "Badland", was es ziemlich genau trifft. Zum Anschauen und durchradeln ein Traum, die Farben des Gesteins, die Canyons, die Dünen und kaum noch Kakteen heute. Es war bewölkt, heiß und schwül, irgendwie hat das aber zur Landschaft gepaßt. Wir versuchten ein paar Trails zu radeln, versanken aber im Sand, so wanderten wir ein wenig...

Dann erreichten wir Salton City, 60 m unter dem Meeresspiegel und mitten im Sand, eigentlich eine Geisterstadt. An den vielen angelegten Straßen findet sich kaum ein Haus. So eine Stadt trifft man selten, dennoch faszinierend zu sehen. Dazu paßt der Salton See, der versehentlich entstand. 1905 staute man den Colorado River hinter den Chocolate Mountains auf, nach schweren Regenfällen brach die Staumauer, spülte die Eisenbahnlinie und einige Häuser weg und über zwei Jahre lief der Colorado durch das Imperial Tal in die Salton Senke. Als der neue Kanal fertig war, blieb der See zurück. Da  er ohne Abfluß ist versandet, vertrocknet und versalzt er allmählich  - und riecht auch so. Er ist ca 70 km lang und 30 km breit, wegen des unregelmäßigen Zulaufs und der Wasserentnahme schwankt die Größe. Jedenfalls wurde hier schon mal eine Art Doku gedreht, wie sieht die Welt aus , wenn der Mensch verschwunden ist. Könnt ihr euch nun in etwa vorstellen, wie es hier aussieht? Das Motel liegt am Marine Drive, der Yachthafen ist aber gar nicht mehr vorhanden, dennoch ist es sehr gut in Schuß und die jungen Besitzer sind sehr freundlich. Unser Glück ist, daß ein Campingplatz genau daneben ist, auf welchem sich ein paar "snowbirds" eingenistet haben und es deshalb eine Bar mit Hamburgern gibt. Als Snowbirds bezeichnte man die Senioren aus den Nordstaaten und Kanada, die im Süden überwintern. Je nach Geldbeutel in einfachen Campingplätzen wie hier oder 80 km weiter in Palm Springs, unserem morgigen Ziel.

 

26Oktober
2016

Borrego Springs

Dies ist einer der heißesten Orte der USA - hätten wir das doch vorher gewußt!! Nein, wir wollten wegen der Wüste hierher. Nach über 2 Monaten Pazifik ist es das absolute Kontrastprogramm - aber phantastisch. Wir besichtigten Julian noch ein bißchen , wirklich eine nette kleine Stadt. Bei äußerst angenehmen Temperaturen starteten wir unsere Tour - heute ging es nahezu immer bergab. Zuerst durch einen Canyon, in welchem immer mehr und größere Kakteen wuchsen, je weiter man in das Tal hinunterkam. In Scissors Point - einer Kreuzung zweier Postkutschenstrecken weiteten sich die beiden Täler zu einer riesigen Hochebene. Auf einem "historical Marker" (ein Hinweisschild mit historischen Informationen) war ein altes Photo, das Cowboys mit Rinderherden zeigt, infolge der Klimaveränderung trocknen die Quellen aber alle aus. Zurück bleiben Kakteen  in allen Formen und extrem wiederstandsfähige Büsche. Es wurde natürlich mit jedem Höhenmeter den wir hinabradelten heißer und heißer. Hermann Plasa bezeichnet das als "Kieslasterwetter", weil das Wasser wie aus einem Kieslaster an einem herabrinnt. Daran mußte ich heute ein paar Mal denken. Borrego Springs ist ein Ort mitten in der Wüste, eine Oase mit Datterpalmen und der kalifornischen Fächerpalme. Es hat uns sehr an den Oman erinnert. Was bewegt Menschen dazu, sich hier anzusiedeln, wo im Sommer das Thermometer jeden Tag auf über 40° klettert und es am Visitor Center um 16 Uhr immer noch 35° anzeigte. Was arbeitet man hier? Wir konnten es nicht herausbekommen. Im Motel wohnen jedenfalls nur mexikanische Arbeiter, wo sie arbeiten, wissen wir auch nicht. Die Springs (Quellen) sind jedenfalls auf Privatgelände und können  nicht besichtigt werden. Die Landschaft ist unglaublich beeindruckend, kahle Berge, Kakteen und dann plötzlich diese Oase. Wobei vor der Haustür bereits die Wüste wieder beginnt, Wasser ist ein kostbares Gut. Wir radelten einige Kilometer in einen Canyon hinein, es war mühselig in dem Sand und Matsch, auch hier hatte es vorgestern gewittert und ein heftiger Sturm tobte, wie uns der Motel-Chef erzählte. Am Visitor-center sind wir einen Trail abgelaufen, der die Kakteen und Büsche erklärte und was sonst noch so krabbelt und lebt. Dabei lernten wir, daß der Herbst die große Zeit der Tarantula ist .Na, prima!

Laden in Julian                                          für alle Heinzelmänner-und frauen

Friedhof in Julian                                    

Skulpturenpark in Borrego Springs

Morgen werden wir die Wüste weiter erkunden, mit genügend Wasser im Gepäck...

25Oktober
2016

Julian

Wir haben es geschafft!! UPS lieferte das Hinterrad und - oh Schreck - die Felge ist schmaler und die Nabe (bin mir nicht sicher, ob das so heißt) zu kurz! Da hat sich unser Verkäufer wohl ein bißchen vermessen gestern, es war ihm auch ziemlich peinlich! Zum Glück ließ sich das aus dem alten Rad aus-und umbauen. Die Bremse und die Schaltung mußten auch angepaßt werden, aber Karl hat's geschafft. Die 16 km haben wir erneut gut zurückgelegt und die restlichen 40 km nahezu ausschließlich bergauf, ebenso. Ein Großteil der Strecke führte durch den Statepark of Cuyamaca zum Lake Cuyamaca, ein Stausee der bereits 1888 angelegt wurde. Endlose ehemals bewaldete Berge reihen sich aneinander. Ehemals, da 2003 ein Feuer wütete, doch so nach und nach sprießen Büsche und Bäume wieder.  Die Landschaft ist wieder ganz anders, Berge, Farmen, Hochtäler, Kühe - wunderschön. Es war auch richtig warm und sonnig heute, selbst heute Abend in Julian. Es kühlte zwar auf ca12° ab, bei uns ist es auf 1300 m Ende Oktober viel kälter. Julian wurde um 1880 gegründet, als man Gold fand. Die Hauptstraße ist im Western Stil erhalten, mit boardwalk und den alten Läden mit ihren schönen Eingangstüren oder verzierten Metalldecken. Wir sind in der ebenfalls "Historic Lodge" und haben ein richtig schönes, mit alten Möbeln augestattetes Zimmer. Der ganze Ort hat was von einer Puppenstube. Anfang November beginnt hier der Weihnachtsmarkt, schade , daß wir dann nicht mehr hier sind.

wir müssen die Interstate 5 verlassen

 

Lake Cuyamaca

Anza Borrego Desert

 

24Oktober
2016

Alpine - immer noch

So ein Mist! Wir waren bereits 5 Kilometer bergauf geradelt, da hörte Karl das bekannte "Pling", eine Speiche war gebrochen. Diesmal an der Außenseite. Wir haben ja schon Übung beim Gepäck absatteln und Rad ausbauen. Also Speiche gewechselt und weiter gings, nun auch noch ein paar Kilometer auf der Interstate. Das war aber machbar, da wenig Verkehr herrschte. Doch nach diesen 11 Kilometern bergauf hörte Karl schon wieder....und die letzte Speiche hatten wir soeben eingebaut.  Etwas ratlos  standen wir an der Interstate Ausfahrt und überlegten was tun? Weiterfahren, das heißt immer weiter bergauf nach Julian, der Ort liegt auf 1300m nach einem Paß mit 1500m. Ob es dort ein Radgeschäft gibt ist fraglich. Ob es in Richtung Südosten etwas gibt ebenso. Nach kurzem und heftigen überlegen, kamen wir zu dem Entschluß wieder zurück nach Alpine, wo wir heute morgen einen Radladen sahen, zu fahren. Hinab ging es jedenfalls schneller, das Radgeschäft ist mehr auf Mountainbikes spezialisiert und hatte kein Hinterrad da, weitere Speichen zu wechseln ist sicher nutzlos, scheint es sich doch um Materialermüdung zu handeln. Der junge Mann kam in Fahrt als wir Vorkasse leisteten und er rief seinen Händler an, um ihm einen schnellen Versandweg nahezulegen. Nun hoffen wir, daß UPS "makes a good job" und auch um 11 Uhr mit dem richtigen Rad eintrifft, daß alles klappt und dann geht es wieder bergauf. Die Steigung liegt so bei 6-8%, manche Kurven auch steiler, mir wäre es lieber ich würde die Steigung noch nicht kennen....

Im Motel waren sie sehr erstaunt, als wir heute nachmittag wieder eintrafen. Es ist aber ein ausgesprochen komfortables und bezahlbares Zimmer und einer Mall mit Restaurants. Ein Gewitter mit kurzem heftigen Regen zog noch über uns hinweg, insofern hatten wir Glück im Unglück. Die Orakelsprüche in den chinesischen Glückskeksen stimmten uns auch hoffnungsfroh für morgen. 

Sigrid: Deine Anstrengungen werden belohnt.

Karl: Bald werden deine Wünsche war.

Was soll da noch schiefgehen ? Sonst werfe ich die Glückskatze dem Biber Bibi (!) zum Fraße vor!

 

23Oktober
2016

Alpine

 

Zuerst die Auflösung: natürlich hat Bibbi, der Biber recht, es ist "Manche mögens heiß" (ach Oscot - irgendetwas mit Muscheln - die Freunde der italienischen Oper - das wären Tipps gewesen) und ja , für 430 $ aufwärts kann man da übernachten. Aber wenn da guys in kurzen Radhosen und etwas angestaubt durch das Foyer schlendern dürfen, ist das ja nicht exklusiv!! Außer uns waren noch etliche Schaulustige unterwegs, aber auch sehr fein gekleidete Gäste einer Hochzeit - eine bunte Mischung war das.

Heute morgen ging es zeitig los. Sind im "belgischen Kreisel" geradelt, um die Fähre 9 Uhr 10   zurück nach San Diego zu  erreichen. Sonntags durch eine Großstadt zu radeln ist sehr entspannt, wir konnten durch das Gastown -Viertel, durch downtown und dann immer weiter nach Osten. Es war bewölkt und nieselte immer wieder, war aber nicht kalt. San Diego breitet sich auch nach Osten aus und so fuhren wir gute 50 km durch urbanisiertes Gelände, wann San Diego endet und La Mesa anfängt war nicht auszumachen. Die Straßen sind oft voller potholes - Schlaglöcher und irgendwann hatte es eine von Karl's Speichen am Hinterrad satt, natürlich auf der Innenseite und ohne Spezialwerkzeug nicht zu reparieren. Doch Dank des Internetzugangs eines Fast-Food, konnten wir rausbekommen, daß gar nicht weit von unserem Stadpunkt ein Radladen sonntags geöffnet hat. Schnell radelten wir dorthin und tatsächlich, er hatte geöffnet und wechselte bereitwillig die Speiche. Ist das nicht unglaubliches Glück? Inzwischen schien die Sonne und die Temperaturen kletterten, so wie wir auch...schließlich starteten wir auf Meereshöhe. Eine ganz andere Landschaft tat sich uns auf, Berge und Hügel überall, nicht nur Meer. Vor Alpine ging es zunächst in einen Canyon hinab , nur damit man auf der anderen Seite weit hinaufradeln kann. Der Ort trägt seinen Namen zurecht, liegt er doch 561 m hoch. So hoch waren wir schon lange nicht mehr. Wir näheren uns der Wüste, ich bin auf die Temperaturen gespannt !

Wessen Lebensmotto ist das wohl???

22Oktober
2016

San Diego - Imperial Beach

Der Reiseführer hat ausgedient, nach 3872 km und 8 1/2 Wochen haben wir unser erstes Ziel erreicht - San Diego!!

Wir starteten von unserem Motel in Encinita und radelten mehr oder weniger die ganzen 78 km am Pazifik entlang. Es herrschte reger Samstags- und Ausflugsverkehr, Radfahrer, Jogger, Walker und Surfer, alle die sich irgendwie bewegen können, waren an diesem strahlend schönen Sommertag unterwegs. Heute Abend erklärte uns ein Herr am Nebentisch, daß er an Weihnachten auch mit der kurzen Hose und im T-Shirt zum Essen geht, es wird nicht viel kälter. An diese Temperaturen könnte ich mich gewöhnen. An der gesamten Küste reihte sich wieder Haus an Haus, eine Stadt geht in die andere über. Surfshops, Cafés und kleinere Läden wechseln sich ab. Es erinnert an die Küstenorte in Südfrankreich. Dann tauchte San Diego in der Ferne auf, was für eine tolle Stadt, sie hat uns wirklich begeistert und erinnert ganz stark an die Stadt, an der unsere Pazifiktour begann, an Vancouver. Alles so ordentlich, sauber und aufgeräumt, ein großer Hafen, an dem Kreuzfahrtschiffe anlegen, große Yachthäfen, Parks und Radwege, die darum herum führen. Eine ganz entspannte Atmosphäre und buntes Treiben am Samstagnachmittag mit Straßenmusik, Picknick und - Hochzeit auf einem Rasen mittendrin.

Mit einer Fähre setzten wir auf eine Halbinsel über, auf der ein Traumhotel von 1887 steht, eines der größten Holzbauten in den USA und in dem einer der besten, witzigsten und genialsten Filme überhaupt gedreht wurde. Das ist jetzt die Preisfrage, wie heißt der Film? Wer es errät bekommt eine Postkarte!

Ansonsten haben wir unseren Reiseplan ein wenig geändert. Nachdem uns doch einige von einem Grenzübertritt nach Tijuana abgeraten haben, lassen wir Mexiko saußen und biegen morgen nach Richtung Osten ab! Dies war also unser letzter Nachmittag und Abend mit den Füßen im Pazifik, da ich auch 18° nicht für eine Badetemperatur halte! Die Sonne gab nochmal alles , um einen wunderschönen Sonnenuntergang zu zaubern. Ein wenig wehmütig wird man schon, so viele Wochen hatten wir das Meer zu unserer Rechten. Für uns Mitteleuropäer ist es schon etwas Besonderes. Ich würde mir allerdings ein Meer mit Badetemperatur aussuchen! 

und was macht der Hund am Samstag, er geht zum dog beach!

 Halloween-Gesellschaft

da hatte jemand viel Zeit seinen Garten zu dekorieren!

Das ist doch mal eine Wahlaussage

Wir werden unsere Route nun Richtung Nordosten zunächst fortsetzten, nach Alpine, Palm Springs, den Joshua-Tree Nationalpark und dann mal sehen wieviel Zeit noch übrig ist, was das Wetter macht ect. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

20Oktober
2016

San Juan Capistrano

Schon wieder ein Plattfuss! So kürzten wir unsere Radtour heute ein wenig ab, um nach einem Radladen Ausschau zu halten und evtl. einen neuen Reifen zu kaufen. Leider hatten sie keinen passenden da, mittlerweile war es 11 Uhr und hatte 35°. Aus mir völlig unbegreiflichen Gründen war es heute knallheiß. Dieser Temperaturumschwung deutete sich gestern Abend schon an, als es immer wärmer wurde. Mich hat die Hitze richtig geschlaucht und so kamen wir nur knapp 50 km weit. Zuerst ganz idyllisch durch neuangelegte Radwege, so neu, daß kein Baum oder Strauch wuchs. Man versucht das einstige Marschland wiederzubeleben, wir fuhren also in der prallen Sonne. Weiter ging es auf größeren und kleineren Nebenstraßen durch endlose Wohngebiete, die sich mit Malls abwechselten, bis wir zu einer noch intakten Bahnstrecke kamen, die wir unterqueren sollten. Doch eine große Baustelle hat den Aufzug außer Betrieb gesetzt und nur eine steile Nottreppe verbindet die beiden Straßen. Da kamen 2 Bauarbeiter des Weges und halfen uns das Gepäck und die Räder hinunter- und wieder hinaufzutragen. Das nenne ich Service! Ein wenig Kultur am Spätnachmittag erwartete uns in einer der ältesten Missionen in Kalifornien, gegründet 1776. San Juan Capistrano ist eine schöne Anlage mit einem wunderschönen Garten, der Aufbau ist einem Kloster in Europa nicht unähnlich, wurde es doch von spanischen Franziskanermönchen gestaltet. Heute liegt es nicht mehr ganz so malerisch im Oso Tal , sondern eingezwängt neben der US 5. Auch unser Hotel liegt am Highway, hoffentlich fährt keiner durchs Zimmer, so laut wie es hier ist!

19Oktober
2016

Newport Beach

Wir arbeiten uns so allmählich an der Küste entlang nach San Diego, noch trennen uns knapp 100mi (160 km). Das Wetter wird immer besser, immer wärmer, selbst heute Abend konnten wir kurzärmelig am Strand entlang spazieren. Stellenweise sind wir schon ganz schön braun oder auch nicht, um die Augen herum bin ich durch die Sonnenbrille ganz weiß und ähnle den Panzerknackern ! Die ersten 25 km waren schrecklich zu fahren heute,  viel Verkehr , eine Baustelle und als Höhepunkt führte die Straße durch Fabrik - und Hafenanlagen durch, wo ein Lastwagen nach dem anderen an uns vorbeidonnerte. Wir müssen erst mal nach Davos, damit sich unsere Lungen erholen.

 Industrieanlage am Los Angeles River

Doch dann kam ein Radweg, der uns geradewegs nach Long Beach brachte, wo wir das Queen Mary Schiff von außen besichtigen konnten

Die Skyline von Long Beach, einer Stadt mit 450 000 Einwohnern. Eigentlich radeln wir seit San Francisco durch dicht besiedeltes Gebiet. Im Umkreis von Los Angeles leben ca 13 Millionen Menschen und von Malibu bis jetzt Newport konnte ich weder einen Ortsanfang noch ein Ortsende feststellen. Feinster Sandstrand mit allem was man braucht seit Kilometern, kein Wunder , daß Jürgen Klinsmann hier wohnt und nicht mehr in Botnang! In Long Beach ist ein riesiger Hafen mit über 9000 Yachten, so wie jede Stadt bisher einen großen Yachthafen besitzt. Ich würde so allmählich gerne mal wieder eine Farm und Kühe sehen. 

 Von Long Beach über Huntington Beach, Surfside, Sunside radelten wir nach Newport Beach. Die Stadt hat auch 90 000 Einwohner, ich glaube so genau weiß keiner wo welche Stadt anfängt. Auch hier eine sehr schöne Pier, bis zu der in den 1920er Jahren ein Zug aus Los Angeles in nur 30 Minuten fuhr. Wie Los Angeles zu der Zeit das modernste und beste Metro-und Zugsystem besaß, bis es die Stadt an eine Gummireifenfirma verkaufte, die natürlich ihre Autoreifen verkaufen wollte. Heute gibt es ein paar wenige Straßenbahnen und  Busse, die stehen aber genauso im Stau. (Vergleiche zu einem Bahnchef, der von Daimler kommt sind rein zufällig). 

Heute hatten wir einen phantastischen Sonnenuntergang in Newport Beach!

Das ist für mich typisch amerikanisch - ohne einen Sack Eiswürfel und firewood begibt man sich nicht in die Wildnis und die kann schon der nächste Statepark sein. Typisch ist auch, daß beides offen vor dem Supermarkt liegt und nichts geklaut wird. Natürlich hat es Videokameras, aber es gibt Dinge die man einfach nicht macht. Dazu gehört auch das Hinweisschild zum Alkoholverbot im Freien. Kalifornien gehört zu den liberaleren Staaten, aber trinken in der Öffentlichkeit geht nicht. 

Where are you guys heading to? Diese Frage wird uns täglich mehrmals gestellt und die guys beantworten sie bereitwillig. Diesen kurzen freundlichen small talk schätze ich sehr, es ist immer ein Aufmunterung, läßt einen mit einem Lächeln zurück, kurz es hat was mit Lebensqualität zu tun.

Also guys, gute Nacht!

18Oktober
2016

Redondo Beach

Etwas wehmütig haben wir Hollywood verlassen heute morgen. Es war nicht ganz einfach aus dieser großen Stadt wieder an den Pazifik zu kommen, nach 23 km hatten wir es geschafft und wir waren in Venice Beach . Das ist der Ort, an dem sich die Schönen und Schrillen treffen, um neue Trends ins Leben zu rufen, aber nicht Dienstag vormittags. Egal, das "easy going" und ein paar Staßenmusiker waren sehens- bzw. hörenswert. Wir liessen uns von dem Lebensgefühl anstecken und setzten uns erst mal ins Café und sahen dem Treiben zu. Bis Redondo gibt es einen 30 km langen Radweg. Eigentlich ist die ganze Küste bebaut und wer es sich leisten kann, zieht in einen solchen Küstenort. Eine direkte Bauvorschrift scheint es nicht zu geben, außer der Höhe vermutlich. An Baustilen ist aber alles möglich, mal wähnt man sich in der Toscana und mal im Barock oder Bauhaus. Ein unglaublich breiter und ziemlich leerer Sandstrand lädt zum Bleiben ein. Wir verplemperten den Tag regelrecht, aber es war wunderbar warm und sonnig und sehr entspannt...und entspannend. Rodonda Beach war sicher mal ein kleiner Fischerort mit kleinem Hafen, heute hat es einen riesigen Jachthafen und eine schöne Pier, auf der heute Abend eifrig geangelt wurde

noch mehr Halloween!!                                Binoculares von Claes Oldenburg

 

noch mehr Kunst

am Muscle-Beach war leider nicht viel los, hier kann Man(n) vor Publikum trainieren und seine Muskeln zeigen

das Wasser hat bereits 17°

    

so sieht ein perfekter Radweg aus!            manche setzen große Hoffnungen auf Trump

Heute Abend haben wir uns in einem (teuren und schlechten) italienischen Restaurant mit unseren Tischnachbarn unterhalten. So allmählich dämert es den Amerikanern wohl, daß sie Trump nicht wählen können. In den letzten Tagen sanken seine Umfragewerte um 6%.  Morgen fahren wir mal wieder "richtig" Rad, mal sehen wie weit wir kommen! Have a good one! (Auch ein beliebter Gruß).

PS: Heute sind wir genau 8 Wochen unterwegs und haben 3605 km zurückgelegt

17Oktober
2016

Hollywood

so sehen die Nebenstraßen in LA aus 

und so sieht es von oben aus                  da ist es das "sign"

wir mußten ziemlich Höhenmeter zurücklegen für diese Photos

coming soon "Two crazy Germans in Hollywood"

dann haben wir unsere Räder auf einem Parkplatz abgegeben und uns eine Führung durch das jetzt "Dolby und nicht mehr Kodak Theater" gegönnt, um mal zu sehen, wo die Oscarverleihung stattfindet.

zur Belohnung gab es  Kuchen, stilsicher in der Styorporbox mit Plastikgabel

am Hollywood Boulevard

Voller Eindrücke und kolumbianischem Fleischteller, Wurst, Bohnen und Speck sind wir standesgemäß im Historic Hollywood-Hotel abgestiegen. Vom Bett aus kann man den Hollywood-Schriftzug sehen, leider ist er nicht beleuchtet. Für den Film entdeckt haben sie uns auch diesmal nicht...

ein sehr hübsches Beispiel einer Halloween Dekoration, ich habe die Vermutung, daß dieser Termin wichtiger als die Wahlen ist. Vielleicht liegt es auch daran, daß man über Politik nicht spricht...

16Oktober
2016

Los Angeles - Westwood

                                                                     Zuma-Beach in Malibu

  Das ist Architektur!                                           In diesem Motel verfaßte der jüngste                                                                                     Literaturnobelpreisträger eine LP      

Blick auf LA                                               Strand von Santa Monica                                                         

An der Küste entlang ging es heute über Malibu und Santa Monica nach Los Angeles. Allein die Aufzählung der Namen lassen Bilder von Strand, Sonne, weißem Sand und blauem Himmel entsehen, oder nicht? So ist es auch, allerdings hat man eine 4 spurige Autobahn vor der Haustür! Eine Küste gibt es eigentlich nicht, die Straße wurde in den Sand und das lose Gestein gegraben, der Strand von Malibu ist eine lange Sandbucht, nahezu jeder Meter ist zugebaut und doch hat es seinen Reiz. Wir haben nach Thomas Gottschalk oder Jürgen Klinsmann Ausschau gehalten, aber weder die beiden noch sonstige VIPs entdecken können. Die Villen von Malibu thronen weit oben in den Santa Monica Mountains mit prachtvoller Aussicht über den Pazifik, aber bei jedem heftigen Regen in Gefahr abzurutschen. Die "einfacheren" Häuser stehen auf Stelzen im Meer, auch hier würde ich jeden Morgen die Stelzen überprüfen!! Am Strand von Santa Monica war richtig Sonntag-Betrieb. Ein (Achtung Mathias) Japanese American Kite Event sorgte für bunte Gestalten am Himmel, auf dem Pier ist ein Vergnügungspark und außerdem kann man mit gemieteten Rädern auf einem Radweg durch den Sand fahren. Sollte man unterwegs Hunger oder Durst bekommen, erwarten Beachcafés die Kundschaft. Da hier das Frisbee und Beach-Volleyball erfunden wurden, fehlt auch diese Vergnügung nicht. Für jeden ist etwas geboten. Wir verließen das muntere Treiben ,radelten in Richtung Hollywood und machten unterwegs noch im Pierce Brothers Memorial Park, einem Friedhof Halt auf dem u.a. Marilyn Monroe, Walther Matthau, Jack Lemon und Billy Wilder beerdigt sind. Gut versteckt liegt er inmitten einem Block von Hochhäusern umgeben. Nicht nur als Friedhof ein Kleinod sondern eine Oase der Ruhe in einer pulsierenden Stadt. Nicht weit davon entfernt unser heutiges Motel, genau gegenüber des zweitgrößten Tempels der Mormonen. 

Heute Abend haben wir zum 1.Mal persisch gegessen, hervorragendes Stew mit Walnußsoße und einem Berg Safranreis. Der Sohn des Besitzers begrüßte seine Stammgäste und kam dabei auch an unseren Tisch, nach ein paar freundlichen Worten, bekamen wir hausgemachte Baklava. Die arabische Gastfreundschaft lebt auch im Exil weiter.

 

Nobody is perfect, auch der Fotograph nicht

PS: Das Bier ist gar nicht so schlecht, an der Westküste sind die Alkoholvorschriften nicht so ausgeprägt und es sind zahlreiche kleine Brauereien entstanden. Außerdem gibt es jege Menge Import-Biere, sehr beliebt das "Heffeweizen".

15Oktober
2016

Port Hueneme sprich Wy- nee-mee

ist indianisch, bedeutet "ruhiger Ort" und ich bin immer noch nicht sicher, ob man es wirklich so ausspricht.

Zunächst willkommen du alter Gaul, ich bin froh, daß du den richtigen Hafer gefunden hast oder ist es Hanf?

Dann zu deiner Frage, lieber Mathias, Tom hat uns von den Scorpions  "Wind of Change " und "Hurricane" vorgesungen, von  Nena hat er "99 Luftdavons" (gell Katharina) zum Besten gegeben.

So nun aber der Tagesbericht: natürlich haben wir Santa Barbara nicht ohne Missionbesichtigung verlassen. Sie ist von 1786 und immer noch leben einige Franziskanermönche dort, obwohl die Cumash - Indianer bekehrt sind. (oder ausgerottet). Das Kloster liegt sehr schön auf einer Anhöhe umgeben von Gärten und Parks. Die Wohngegend entspricht schon sehr guter Halbhöhenlage. Überhaupt ist Santa Barbara wirklich eine beeindruckend schöne Stadt. 1926 war ein schweres Erdbeben, man erinnerte sich seiner spanisch-mexikanischen Vergangenheit und baute die Stadt in diesem Stil wieder auf und zwar konsequent, auch neuere Häuser entstehen in diesem Stil. Baumalleen, Parks, Palmen, Bouganvillia und andere exotische Pflanzen begrünen die Straßen. Reklameschilder dürfen auch nicht allzu auffällig sein, alles macht einen sehr entspannten Eindruck, weil man es sich leisten kann. Wie anderst sieht es da in Guadalupe aus! Heute hatten wir nur Radwege,  daß sie meist nur durch eine Hecke vom Freeway getrennt waren, nun ja, es war laut aber dennoch relaxter zum Radeln. Die längste Strecke führte uns am Meer entlang, das heute am Samstag von Surfern und Wohnmobilen belagert wurde. Das Wetter ist deutlich wärmer, der Wind nicht mehr eisig, allenfalls frisch. So ist das Wetter hier das ganze Jahr, daran könnte man sich gewöhnen. In Ventura trafen wir Todd, einen Radler, der uns ein ganzes Stück aus seiner Stadt heraus begleitete. Reges Strandleben überall, das Radeln hat wirklich Spaß gemacht heute. 

Heute Abend sind wir ohne erst zu duschen gleich zum Essen geradelt (in unserem jugendlichen Leichtsinn haben wir nicht bedacht, daß die Tage immer kürzer werden..), In einer ausschließlich mexikanischen Mall, kauften wir uns erst beim Bäcker etwas für's Frühstück und fanden dann ein Restaurant, daß in Mexiko nicht anderst aussehen kann. Ein Altar mit Heiliger in einem Schrein, ringsum Kerzen mit Jesusdarstellungen, daneben ein fast lebensgroßer Bischoff(?) mit prachtvollem Ornat und angehefteten Dollarscheinen. An der Decke bunte Girlanden und Flitter,sowie die Bilder der Gerichte statt Speisekarte. Ich habe Mole con Pollo gegessen. Der Wirt sprach nur mexikanisch und konnte es mir nicht erklären, diesmal google ich erst gar nicht aus was die Soße bestand, es war gut und scharf. Am Nebentisch saß eine Familie mit 2 kleinen Mädchen, die auch englisch sprachen. Die 6 Jährige fragte uns, ob wir zusammen arbeiten. Erst waren wir etwas erstaunt über die Frage, dann dämmerte es mir, daß wir mit unseren gelben Warnwesten, verschwitzt und nicht ganz sauber (ja ich weiß -Wortspiel) da saßen. Wahrscheinlich dachte sie , wir kommen direkt von der Baustelle! Im Liquor-store (in diesen Läden kann man Alkohol kaufen) nebenan, gab es ein Bier zum Löschen. Frisch geduscht fühlt man sich doch auch von außen gleich besser...

Mission Santa Barbara 

 

ohne Worte!!

Blick vom Rathausturm über Santa Barbara      Uferpromenade

 

Todd unser guide                                     Wochenende am Meer

 

Mole con Pollo

14Oktober
2016

Santa Barbara

Hi guys, 

Gestern starteten wir in Morro Bay zeitig, um bis Lomboc zu radeln, immerhin 125 km. Die Straße führte durch das Santa Maria Valley, ein weites Tal in dem Gemüse und Erdbeeren angebaut werden. Die Strecke von San Francisco nach Los Angeles sind wir 2012 ja bereits abgeradelt. Die Streckenführung bietet nicht viele Möglichkeiten, so war sie bis Guadalupe gleich. Guadalupe ist inmitten des Farmlands, hier hat es Kühllager, Lagerhallen und Verpackungsfirmen, ist aber tiefstes Mexiko. 75% der Bevölkerung ist mexikanisch stämmig, da ist der Unterschied zu den reichen Ortschaften am Meer deutlich zu sehen. Wie vor 4 Jahren machten wir hier Mittagspause. In einer kleinen Kneipe mit Laden und einem langen Tisch, saßen wir inmitten der Arbeiter und aßen Burritos. Man kommt ins Gespräch und unterhält sich prima. Die Wassernot ist ein großes Thema, ein Mann berichtete von den Brunnen, die immer tiefer gebohrt werden müssen. Wie vor 4 Jahren suchten wir den "restroom" bei der  American Legion auf. Damals war ein älterer Herr da, der uns alle Photos und Zeitungsausschnitte aus dem 2.Weltkrieg zeigte und uns viel Interessantes erzählte. Diesmal war ein etwas jüngerer anwesend, der uns auf unsere Frage, ob es den anderen Herrn noch gibt, antwortete; "Ja, er ist inzwischen 99 , da er im Krankenhaus war, konnte er heute nicht kommen. Aber er wohnt am Ortsausgang, ihr fahrt am Haus vorbei" . Wir dankten und fuhren Richtung Süden. Am Ortsausgang kam der 99jährige auf uns zu (wozu gibt es mobile phones) und rief uns zu sich hinein. Was ist das für eine Geschichte?! wir freuten uns richtig ihn bei so guter Gesundheit zu sehen!  Besichtigten die ganzen Orden und Auszeichnungen, die er mittlerweile vom Staat Kalifornien und vom Verteidigungsministerium usw. erhalten hatte. Außerdem die Photos seiner 4 Töchter, 25 Enkeln, 35 Urenkeln und 2 Ur-Ur Enkelkinder - and I know them all !! Bindo Rossi hat uns schwer beeindruckt, ohne Stock, ohne Brille, beweglich und fit, lebt und versorgt er  sich selbst. Mit dem Versprechen in 4 Jahren wiederzukommen nahmen wir herzlich Abschied. 

Dann ging es auf den Highway und aus dem Tal heraus - sprich bergauf, aber nicht nur aus diesem, nein wir kreuzten einige Täler. Vorbei an der Vandenberg Militärbasis, die mal eine 2. Abschußrampe für Raketen werden sollte. Lomboc ist eine ganz moderne Stadt und Versorgungssation für all die Militärs. Wir kauften uns ein Vesper, da wir doch spät dran waren und es hier um 18 Uhr 30 dunkel wird. Das Motel lag am Highway und weit und breit kein Restaurant. Normalerweise muß man mit Rad irgendwohin fahren, aber es war uns zu dunkel. So leisteten wir uns einen Camenbert und Brötchen. Der Käse hatte die Qualität eines 99 Cent Camenbert bei uns, kostete aber 10 $!! Heute Morgen wartete der Highway 1 wieder auf uns, der Verkehr ging so, die Straße hatte einen breiten Seitenstreifen. Durch hügeliges Weideland mit weit verstreuten Farmen ging es stetig bergauf. Da sahen wir auf der anderen Straßenseite einen Mann gehen, der, als er uns sah , um Wasser bat. Wir hatten 2 Flaschen und wer 2 hat, der gebe dem, der keines hat. Er kam zu uns herüber und wir kamen ins Plaudern. Er lebt bereits 3 Jahre  auf der Straße, macht aber eher einen Hobo, denn einen Obdachlosen Eindruck. Er kennt sich in Musik gut aus und könnte ihr euch vorstellen, was das für ein Bild war, fern von allem, singt er uns im Straßenrand Lieder von Peter Schilling, Nena und den Scorpions vor! Auch hier verabschiedeten wir uns herzlich von Tom, ich weiß nicht wie er weitergekommen ist, bis zum nächsten Ort waren es mindestens 50 km. Kuriose Geschichte...

Uns führte die Straße über den Gaviota-Paß, immerhin 350 Meter hoch. Dann vereinigten der Freeway von San Francisco und unser Highway und der Verkehr wurde immer heftiger. Der Seitenstreifen blieb zum Glück breit, aber der Lärm, Gestank und Dreck waren fürchterlich. Eine kurze Rast gönnten wir uns an einem Coastal Acces, d.h. ein kleiner Park am Meer. Wir saßen eine Weile in der Sonne, aßen ein paar Kekse, teilten das restliche Wasser und sahen Delphinen, Möwen, Anglern, Kajakfahrern und unerschrockenen Kindern beim Baden zu. Als wir aufbrechen wollten - oh Mist, hatte ich einen Plattfuß. Unglaublich auf keiner unserer USA-Radtouren hatten wir jemals einen Plattfuß und nun der dritte in 3 Tagen. Mit etwas Verspätung ging es für die letzten 15 Kilometer auf unsere Autobahn, bis wir in Goleta, einem Vorort von Santa Barbara, "nur" den normalen Stadtverkehr hatten und es bis nach Santa Barbara schafften.

 

Besuch bei Bindo Rossi

Tom                                                                    Strand bei El Capitain

12Oktober
2016

Morro Bay Tag 2

Der Tag fing schon gut an, Karl's Hinterrrad hatte einen Plattfuss! Der erste seit vielen Jahren, dank der Schwalbe Marathon Reifen. Da nur ein Block weiter ein Radladen ist, begaben wir uns dorthin, um einen Schlauch zu kaufen. Der junge Mann hatte Zeit und bot uns an den Schlauch zu wechseln, was wir dankend (und zahlend) angenommen haben. Ein spitzer Metalldorn hatte sich seitlich durchgebohrt. Es ölte die Kette auch gleich - super Service. Ich bat ihn ebenfalls um Öl für mein Rad, er prüfte es kurz durch und - unglaublich mein Vorderrad verlor ebenfalls Luft!  Auch in diesen Reifen hatte sich ein spitzer Metalldorn durchgebohrt. Was für ein Glück, daß ein Radladen so praktisch in der Nähe war. Mein letzter Plattfuß liegt auch schon über ein Jahr zurück, als ich in eine große Glasscherbe fuhr. Nach der Aufregung fuhren wir erst mal an den Hafen, tranken einen Cappuccino und sahen dem Kajak-Verleih und den Seelöwen zu. Wir konnten uns dann doch noch zu einer kurzen Radtour in den State Park aufraffen, um dort das Marine-Museum zu besuchen, das sich mit der Welt unter und über Wasser beschäftigt. Hier wird sehr gute ökologische Aufklärung betrieben, im wahren Leben ist noch viel Luft nach oben. Immerhin wurden Plastiktüten ganz abgeschafft und in "Organic" shops gibt es Vieles offen zu kaufen. Es ist wie bei uns, sowie ein Event daraus gemacht wird, ist es interessant! Wir radelten nochmals zu den Seeottern und bei Tageslicht sahen wir, daß manche ihr Junges auf dem Bauch liegen hatten. Die Ottermütter lagen auf dem Rücken, im nur 14° kalten Wasser. Ringsherum stürzten sich Möwen und Pelikane in die Tiefe, um dann kauend und prustend wieder aufzutauchen. Na gut, das kauen sah ich nicht, aber das Schlucken bei den Pelikanen. Wir promenierten auf dem Sandstrand, sahen den Surfern zu, dann war noch Waschtag und Planung der Weiterreise und schwups war der Tag vorüber!

Ottermamas mit Kind                                  Seelöwen 

11Oktober
2016

Morro Bay

In Ragged Point starteten wir mal wieder in Wolken, aber nach wenigen Kilometern klarte es auf und wir hatten Sonne. Nach Big Sur beginnt Southern California und das scheint mir doch wärmer zu sein. Der Wind bläst auch am Meer nicht so eisig. Bald erreichten wir eine Seeelefanten-Kolonie, die sich wenige Meter neben der Straße am Strand eingerichtet hat. Ein Volunteer erklärte uns, daß die Teenager hiergeblieben sind und Party machen, bis die Alten wiederkommen. Kommt uns das bekannt vor???Die Männchen und Weibchen sind getrennt nach Alaska unterwegs , kommen im Dezember wieder und bringen im April ihre Jungen zur Welt. Nach 3 Monaten Kinder aufziehen, in denen die Weibchen ihrem Jungen nicht von der Seite weichen und nichts fressen, verlassen sie diese und wandern wieder in Richtung Norden. Die Jungen werden sich selbst überlassen und müssen erst mal schwimmen und Luft anhalten unter Wasser üben. Dabei wird die Hälfte schon mal von Haien und Orcas verspeist, der Rest überlebt oder bleibt einfach noch ein Jahr am Strand. Zur Freude der Besucher, wann sieht man schon Seeelefanten so nah!!

Über Hügelland mit breitem Seitenstreifen rollten an Hearst Castle vorbei und besichtigten es auch dieses Mal nicht. In den 30er und 40er Jahren kauften Agenten im Auftrag des Zeitungsmoguls Hearst armen Klöstern und Adeligen wahllos Kunstgegenstände ab. Mit diesen staffierte er sein gigantisches Schloß aus. Sicher kurios anzuschauen aber 50 $ waren uns letztendlich zu teuer. Da besuchen wir lieber mal Neuschwanstein! 

Durch den sehr netten Ort Cambria mit erhaltener Downtown und schönem Strand ging es über Harmony weiter nach Cayucos (ist indianisch und heißt "kleines Boot") mit ebenfalls sehr netter downtown und einem Saloon von 1905, den wir bereitwillig besichtigen durften. Das Bargirl hatte Verständnis, daß man als Radler am hellen Nachmittag keinen Whiskey trinken kann. Dafür kehrten wir in die Cookies Bakery ein, es gab sehr leckere "brown butter espresso cookies" ! Das kurioseste in dem Laden war ein deutsches Ehepaar, das hin und her rechnete welche Mengen wann am günstigsten werden....Die Amerikaner sparen ja auch sehr gerne und es gibt immer irgendwelche Angebote, wenn man 5 davon nimmt gibt es ein 6. gratis oder wenn man 4 nimmt gibts auch irgendwas dazu - da müssen die schwäbischen Einwanderer durchgeschlagen haben! Jedenfalls bummelten wir in Cayucos über die nagelneue Seebrücke, sahen Anglern zu und dem Strandleben an sich. Nur noch wenige Kilometer und unser heutiges Ziel Murro Bay war erreicht. Ein großer Berg im Meer, ein Vulkanrest, ist das Wahrzeichen und läßt einen die ebenfalls hochaufragenden Schornsteine einer Gasfabrik fast übersehen . Ein beschaulicher Ort mit 10 000 Einwohnern einer 2-3 km langen Uferpromenade mit Geschäften, Restaurants und Hafen. Von Weitem hörten wir schon die Seelöwen, beim Näherkommen sahen wir dann auch Seeotter, die sich Schnecken und Muscheln holen, sich dann auf den Rücken legen, um das Abendessen mit einem Stein aufzuklopfen! Uns gefallt es so gut, daß wir spontan morgen auch noch hier bleiben. 

Motel Ragget Point                                  Wellen schwappten über die Straße

                                                            oben links auf dem Berg das Hearst castle

 

Harmony hat 18 Einwohner                                   im Saloon

Soeben habe ich gegoogelt, was wir heute Abend gegessen haben, Karl hatte Lengdorsch und ich Seeohren. Im Fischrestaurant am Hafen gab es kein Wlan und wir haben "blind" bestellt - beides war sehr, sehr gut!!

 

10Oktober
2016

Ragged Point

Gestern gab's kein Internet,mitten im Big Sur Tal im Fernwood Resort. Zunächst starteten wir bei strahlendem Sonnenschein in Monterey, doch nach Carmel waren wir wieder am offenen Pazifik und es kam Nebel und mit ihm fielen die Temperaturen.

Mission in Carmel

Die berühmte Bixby- Bridge von 1932 für Optimisten halb zusehen, für Pessimisten halb im Nebel. Leider war ein gräßlicher Verkehr noch dazu, kaum Seitenstreifen, es war kein allzu großes Vergnügen an diesem Sonntag.

Heute morgen sah es schon freundlicher aus, nach 4 km bergauf gab es Kaffee, das Motel bot leider keinen an, und dieser blaue Vogel lauerte auf Brösel. 

Henry Miller lebte fast 15 Jahre in Big Sur, sein Haus kann man nicht besichtigen, aber ein Freund baute diese Gedenkstätte  für ihn, leider hatte diese geschlossen. Ich hatte sein Buch "Big Sur" kürzlich gelesen. Er würde sich wundern, was aus diesem abgelegenen Küstenstreifen, an dem jeder seine Vorstellung vom Leben austesten konnte, geworden ist. Vor allem in China scheint man diese Etappe im Oktober anzupreisen, gefühlt saßen  von 10 Autos in 9 Chinesen. Daher war der Verkehr, den wir gestern noch mit Sonntagausflugsverkehr entschuldigten, heute keinen Deut besser, die Straße auch nicht, so waren nicht nur die Berge anstrengend , sondern auch die Fahrt an sich. Dabei ist es wirklich eine traumhafte Strecke, manchmal über 300 m über dem Meer mit Blick über die Küste (wenn es der Nebel zuließ) , dann wieder in einem Bachbett oder Canyon und schon ging es wieder geht es hinauf!

auch ein klassisches Photomotiv am Big Sur                So wohnt man!!

der Wasserfall McWay

Alle Wanderwege und State Parks links der Straße, sind gesperrt, hier wüteten die großen Feuer und Feuerwehren kontrollieren das Gebiet. Es ist schrecklich trocken überall und die Regenprognose für den Winter sieht nicht gut aus. Gärten durften im Sommer überhaupt nicht gegossen werden, daher sieht man schöne , vom mexikanischen Gärtner angelegte Steingärten und man besinnt sich auf heimische Pflanzen wie Kakteen.

Big Sur ist ein Küstengebiet von ca 100 km Länge, den dahinter liegenden Santa Lucia Range Bergen und hat ca 900 Einwohner. Ein Ort Big Sur existiert gar nicht, bei der Bakery ist ein Postamt und eine Tankstelle. Alle anderen Häuser liegen weit verstreut und sind kaum zu sehen. Wer es ganz abgeschieden mag, ist hier richtig. An der Küste und dem Pazifik kann man sich nicht satt sehen.

PS: Herzliche Glückwunsch zum Geburtstag,lieber Mathias!

PS 2: Herzlichen Dank für deinen Kommentar, lieber Hermann. Ein Lob aus deinem Munde freut mich ganz besonders, sind deine Reiseberichte doch mein Vorbild!

08Oktober
2016

Monterery

Mit dem Wort verbindet man doch so einiges, Pop-Festival und John Steinbeck's Cannery Row - die Straße der Ölsardinen, Tortilla Flat, aber auch John Denver, der mit seinem Flugzeug hier abstürzte. Bei wunderbar warmen Temperaturen radelten wir heute morgen noch zum "Garden of Memory" dem Friedhof und besuchten John Steinbeck's Grab. Ein schöner alter Friedhof mit Gräbern um 1840 bis heute. Über staubige Farmstraßen ging es wieder ans Meer. Google maps hatte uns wirklich eine gute Strecke angeboten, die letzten Kilometer waren auf einem Radweg durch die Dünen. 

In Monterey ist Samstags schlichtweg die Hölle los, Autos, Radfahrer und Fußgänger teilen sich die enge Ortsduchfahrt und - es funktioniert! In der Cannery Row, wo es laut Steinbecks Schilderungen in seinen Büchern nach Fisch, Öl, Abwässern und nicht näher Beschriebenem roch, ist heute shopping angesagt. In den ehemaligen Dosenfabriken und Fischhallen sind Restaurants und Läden eingezogen. Nachdem in den 60er Jahren die letzte Sardine gefangen wurde, begann der Niedergang. Tausende von chinesischen, japanischen , philipinischen und mexikanischen Arbeitern standen auf der Straße. Seit einigen Jahren  sind wenigstens im Dienstleistungssektor neue Arbeitsplätze entstanden. Es macht wirklich Spaß auf einem Bänkle zu sitzen und die Leute beim vorbeischlendern zu betrachten.(gell Regina?!)  Auf der Wharf stehen die "Fischwinker" vor ihren Lokalen und preisen die beste Küche überhaupt an, wäre sonst in den USA undenkbar. Wir besichtigten das Monterey History Museum (natürlich) und erfuhren, daß die Spanier schon um 1750 ein Fort errichteten. Nach und nach kamen weitere  mexikanische Siedler, gehörte die Region als es den Spaniern zu teuer wurde, doch zu Mexiko. Erst nach dem amerikanisch - mexikanischen Krieg wurde Monterey amerikanisch. Die Ureinwohner waren da schon lange die Verlierer. Im Museum sind aber schöne Korb und sonstige Arbeiten von den Rumsien-Indianern ausgestellt. In der Altstadt verteilt sind einige erhaltene und renovierte Häuser aus der Zeit zu sehen, unter anderem lebte Stevenson, der Autor der "Schatzinsel" einige Zeit hier.

Heute geniessen die ganz Reichen das milde Klima und die Küste. Es gibt einen 17-mile-drive, der gegen eine Gebühr von 9,95$ abgefahren werden kann. Man fährt an den Häusern vorüber, meist sind aber nur die hohen Hecken zu besichtigen. Ich würde mich ja bedanken, wenn jedes Wochenende tausende Autos an meinem Garten vorbeizuckeln. Fahrräder sind übrigens kostenlos, aber wir wollten nicht in den Autoabgasen radeln. So haben wir Monterey ausgiebig erkundet und heute Abend am "Lovers Point" einer Strandhochzeit zugesehen. Auf einer Wiese am Straßenrand wurden Stühle aufgestellt, stark tätowierte Brautjungfern in lila Kleidern und Sonnenblumen im Haar standen links von der Pfarrerin (?) und Bräutigamherren in ordentlichen grauen Anzügen, rechts davon. Hinter einem Baum versteckt eine Musikanlage, an der ein junger Mann passende Musik einspielte, daß man wegen des Verkehrslärms nicht allzuviel hörte schien niemand zu stören. Auch nicht, daß immer mehr Touristen stehen blieben und Photos machten. Dann wurde die Braut vom Vater dem zukünftigen Gatten übergeben und die Pfarrerin oder Standesbeamtin begann mit der Trauung. Der Blick aufs Meer und die Bucht gab dem Ganzen doch noch einen romantischen Hauch. Kurios! 

                                                                      unser Radweg

                                                                Blick auf Monterey

 

07Oktober
2016

Salinas

Hey , heute sind wir mal wieder richtig Rad gefahren! Unser Ziel war Salinas - auf den Spuren von John Steinbeck, einer unserer Lieblingsautoren. Erstaunlicherweise war es sehr warm heute und wir legten uns ins Zeug, um genügend Zeit im Museum zu haben. Wir kamen gut aus Santa Cruz heraus. Die Strecke führte uns über Farmstraßen, die sehr busy sind, da gerade Erdbeerzeit ist. Wobei ich vermute, daß das bereits die zweite oder dritte Ernte in diesem Jahr ist, außerdem ist Rosenkohlzeit, was mich sehr verwundert, dachte ich doch, daß er Frost braucht, um seine Bitterstoffe zu verlieren. Den Mexikanern wird es egal sein, sie pflücken was gerade reif ist. Salinas Spitzname ist "American Salad Bowl", da 4 / 5 aller Salate hier wachsen. Vor Salinas begann der slough, Marschland , daher kommt auch der Name, vom salzhaltigen Wasser. Salinas war um 1920 eine der reichsten Städte der USA, daher hat es auch prachtvolle Art Deco Häuser und auch sonstige Prachtbauten, von denen einige das Erdbeben von 1906 überstanden. Das alles erfuhren wir bei einer Führung , die John im Auftrag des Museums durchführte. Wir spazierten die Stationen ab, die in  "Jenseits von Eden" eine Rolle spielen. Das war , wie immer äußerst interessant, dabei lernten wir Karin kennen, die mit ihren Eltern 1959 als 18jähriges Mädle von Ludwigsburg auswanderte und auch nach fast 60 jahren feinstes schwäbisch spricht. Als wir sie dafür lobten, war sie ganz gerührt!  Mit ihrem Hund mußte sie amerikanisch sprechen, er kann kein schwäbisch! Doch zurück zum Museum, wie immer phantastisch gemacht. Szenen aus seinen Büchern sind nachgebaut, für "Das rote Pony" z.B.  wurde ein Stall aufgebaut, man sitzt auf Holzbänken und kann Filmausschnitte ansehen. Für "Früchte des Zorns" sind armselige Hütten aufgebaut, man öffnet die quietschende Holztür, hinter der die Hauptfiguren stehen und mit Zitaten aus dem Buch belegt sind. Man kann in einen alten Ford T sitzen und sich "East of Eden" vorstellen usw. Leider,leider gab es keines seiner Bücher auf deutsch zu kaufen (mit türkisch oder tschechisch hätten wir mehr Glück), ich hätte gerne ein Buch aus Salinas besessen, schade.

Wir haben die 76 km ohne nennenswerte Pause abgeradelt (1x Pipi-Pause mit Cola in einer Tankstellen in Castorville), um kurz nach 14 Uhr waren wir im Museum. Nach der Stadtführung hatten wir  einen Bärenhunger, da es aber bereits dunkel wird mußten wir erneut kräftig in die Pedale treten, um zu unserem Motel zu kommen. Glücklicherweise ist direkt daneben ein "Black Bear Diner" mit dem Slogan "we feed bears" lagen sie richtig - nach Steak, mashed potatoes, Salat und Lava-Brownie mit Eis waren wir satt!!!

see you guys!

06Oktober
2016

Santa Cruz - immer noch

Eigentlich auch eine Zwangspause, da Karl eine Art Hexenschuß plagt und wir die Großstadt zu einem Besuch beim Physio nutzen wollten. Mit Tape und Spray versorgt, aber einigen Dollar weniger, versuchen wir morgen bis Salinas zu kommen. Die zwei "freien" Tage waren aber auch erholsam. Wir sind die Strandpromenade - immerhin 15 km lang - auf und ab geradelt und Seeotter, Pelikane, Seelöwen, Delphine und Surfer beobachtet. Wir waren an einem Center für Meereskunde und sind im Sand und ganz kurz im Wasser spaziert, evtl hat es bereits 14°. Mich schnattert es vor Kälte nur bei dem Gedanken darin zu schwimmen! 

Das Winterquartier der Monarch Schmetterlinge ist in Südkalifornien, die Urgroßkinder jener Falter die im Frühjahr 2016 nach Idaho gestartet sind, überwintern hier.

                                                                        Karl und ein Blauwal-Skelett

Es kommt uns ganz komisch vor, daß wir morgen wieder alles zusammenpacken und weiterziehen sollen. Urlaubstage haben auch ihren Reiz!

04Oktober
2016

Santa Cruz

Eine wunderschöne Strecke heute mal wieder, bei Sonne und Rückenwind - was will man mehr?! Wir Metereologen haben nach 6 Wochen Selbsterfahrung herausgefunden, daß es bei Südwind, also Wind von vorne (schlecht beim radfahren) die Temperaturen steigen und das Wetter schlecht ist. Bei schönem Wetter kommt ein kalter Nordwind und wir haben Rückenwind. Was ist nun besser? Heute war es jedenfalls sonnig, wie sonnig merken wir immer abends an unseren roten Gesichtern! Bei unserem Vesper heute mittag saßen wir mit Jacken in der Sonne und trotzten dem kalten Wind - hatten aber eine wunderschöne Aussicht im Ano Nouevo State Park. Eigentlich kann man Seeelephanten beobachten, aber wir waren zu früh, Ende Oktober sind die ersten zu sehen. So mußten wir uns mit Delphinen begnügen, auch sehr unterhaltsam ihnen beim Springen zuzusehen. Eine Baustelle brachte uns ein wenig ins schwitzen, über 3 km war es nur einspurig und es ging ziemlich bergauf. Das Begleitfahrzeug gab uns einen Vorsprung und wir traten in die Pedale. Als die Autos dann kamen, war es wieder zweispurig, nur noch nicht für den Verkehr geöffnet, so konnten wir auf der Standspur radeln, auch da hatten wir rote Köpfe!! Kurz vor Santa Cruz begann ein Radweg und wir mischten  uns ganz relaxed unter all die anderen Santa Cruzern (heißen sie so?) , die an der Küste entlang radeln, joggen, Gassi gehen, walken, spazieren, skaten und surfen. Der hawaiianische Prinz Duke (Nachname konnte ich mir nicht merken) brachte während seines Studiums in Kalifornien sein Surfbrett mit und führte das surfen hier ein. In einem alten Leuchtturm ist ein Surfmuseum!

Santa Cruz ist schon ziemlich "alt" , wie der Name verrät von Spaniern als Mission 1760 gegründet. Erdbeben und Brände ließen die Stadt nicht sonderlich wachsen. 1906 wurde eine Eisenbahn gebaut , um Touristen aus San Francisco hierher zu locken. Um ihnen etwas zu bieten, erichtete man eine große beheizte Schwimmhalle, in der das 15° kalte Meerwasser auf 28° erhitzt wurde. Habe ich schon berrichtet, daß wir heute Schwimmer sahen im Pazifik und zwar FKK - im prüden Amerika....ts ts ts. Zurück nach Santa Cruz, zur weiteren Unterhaltung enstand ein großer Vergnügungspark mit einer Holzachterbahn, die immer noch in Betrieb ist. Heute war aber alles ziemlich hochgeklappt, die Saison ist vorbei. Der Ort hat echt Charme und eine lange Seebrücke mit Restaurants und Geschäften  - und Seelöwen, die es sich auf einem Brett am Pier gemütlich machen. Wir hätten sie stundenlang beobachten können, so schwerfällig sie dort liegen, so elegant und flink sind sie im Wasser unterwegs.

Wir bleiben morgen auch noch hier und machen einen Tag Urlaub, so mit Strandspaziergang und Kaffee trinken, stell ich mir das vor...

Blick zurück auf die Half Moon Bay

einsame Farm in trockenen Hügeln           Pigeon Point Lighthouse

03Oktober
2016

Half Moon Bay

Google Maps hat uns eine wunderbare Route aus San Francisco aufgezeigt. Wir kamen über Nebenstraßen oder Straßen mit Radweg und ohne nennenswerte Steigungen aus der Stadt. Unterwegs trafen wir eine junge Radfahrerin und gemeinsam radelten wir bis Pacifica. Dort begann vor 4 Jahren unsere erste USA Reise, etwas ergriffen standen wir am Strand von Rockaway Beach! In Pacifica gab es Fladenbrote zwar von Taco Bell, aber immerhin direkt am Strand mit Blick auf auf Surfer - ja, die ersten Surfer, die wir sehen. Entweder surft man im Norden nicht, an der Wassertemperatur kann es nicht liegen, die schwanken immer zwischen eiskalt und sehr kalt oder hier sind die besseren Wellen. Wir erinnerten uns an den alten San Pedro Mountain Road Trail, der uns damals empfohlen wurde und fanden ihn auf anhieb wieder. Die ganz ganz alte Paßstraße führt über einen Berg, die Steigung ist aber sehr gut, den Asphalt hat sich die Natur zurückerobert. Aber man wird durch die Strecke und die Aussicht belohnt, außerdem ersparte es uns eine Fahrt durch ein Tunnel. Leider nieselte es nahezu den ganzen Tag, so daß die Sicht nicht ganz so toll war. Gegen Spätnachmittag erreichten wir den Beginn der Half Moon Bay, wo uns ein idyllischer Radweg am Strand entlang bis zu unserem Motel brachte.

San Francisco alt und neu

Surfer in Pacifico und der Ort von oben

the long and winding road...

                                                                   wohin jetzt, Karl?

 für alles ist gesorgt!

PS: OLÉ VfB!!!

02Oktober
2016

Sonntag in San Francisco

Ein weiterer Sommertag, für hiesige Verhältnisse jedenfalls, gab uns die Gelegenheit kreuz und quer, vor allem bergauf und berab durch San Francisco zu radeln. Zwei kurze Regenschauer unterbrachen unsere sight-seeing Reise, jedes Mal mit einer günstigen Möglichkeit zum unterstehen. Glück muß man haben! Zunächst radelten wir in Richtung Westen zu Heights Ashbury, dem Stadtteil an dem der Summer of Love seinen Anfang nahm. Ein bißchen Flair hat es immer noch, doch im Peace Café, wo wir letztes Mal mit der Besitzerin Sami Sunchild über das Leben und Reisen sprachen, ist nun ein Antiquitätenladen. Ich fürchte sie ist mittlerweile verstorben. Auch hier unglaublich viele Obdachlose, Menschen die keinerlei Perspektive im Leben mehr haben werden. Es war auch ganz schön depremierend.  Vor dem ehemaligen Wohnhaus von Jimi Hendrix legten wir eine Gedenkminute (ich für "All along the watchtower")ein und radelten durch die prachtvollen Straßen mit den viktorianischen Häusern, jedes ein Schmuckstück. So erreichten wir den Golden Gate Park. Hier ist für jeden was geboten, Tretboot fahren, Radfahren, Young Museum, Japanischer Garten, Rosengarten, dann Veranstaltungen in Eigenregie, wie Swing tanzen für jedermann, Tai Chi Kurse usw. Wir schauten uns alles eine Weile an und gingen dann zum City Big Band Konzert, das seit 134 Jahren sonntags um 13 Uhr stattfindet. Heute war das diesjährige Abschlußkonzert, im April 2017 geht es weiter. Über den  Presidio - Park gelangten wir an die Küste und hatten nochmals einen Blick auf die Golden Gate Brücke. Schon ein überaus beeindruckendes Bauwerk - von allen Seiten. Am dortigen Aussichtspunkt trafen wir einen Heidenheimer, der für eine Glasfirma arbeitet und diese für Apple die stores und nun den Hauptsitz baut. Das war ein sehr nettes, schwäbisches und interessantes Gespräch. Am Spätnachmittag mußten wir steil bergauf zur Lombard-street, der steilsten und kurvigsten Straße (der Welt?), jedenfalls wird dort von der Polizei der Verkehr geregelt, um Autos und Fußgänger in Zaum zu halten. Wir haben uns nicht getraut hinunter zu fahren, erstens ist es unglaublich steil und zweitens ist die Straße geplättelt und ich war mir nicht sicher wie rutschig das wird. Außerdem hängt dir ein Auto am Hinterrad bei dem ich auch nicht weiß, ob er fahren kann!! Weiter ging es durch die Stadt nach downtown, wo neben den Luxus-Geschäften am Union Square, die Obdachlosen liegen.

Ein doch auch zwiespältiger Sonntag ging zu Ende. Einerseits war es richtig schön entspannt, doch die Armut bedrückt.  

Das Rathaus

                                                                 Jimi Hendrix lebte hier

Lombard Street mit Blick über die Stadt

01Oktober
2016

San Francisco

Was soll ich sagen?

Am besten hört ihr Scott Mackenzie "If you're going to San Francisco.." und Eric Burdon "San Francisco nights" und schaut euch die Bilder an.

auf guten Radwegen oder Nebenstraßen ging es an wilden Truthähnen und

an der Hausbootsiedlung in Sausalito vorbei, nach San Francisco

Bay mit Alcatraz im Vordergrund               ich hoffe ihr seht die flowers in our helmets!

Wie ihr seht, hatten wir traumhaftes Wetter! Ganz San Francisco war auf den Beinen oder auf den Rädern und die vielen Touristen dazu, es war unglaublich, aber totzdem entspannt. Wir haben uns ein sehr gutes Hotel geleistet, zwischen Union Square und Civic Center, trotzdem ist das eine üble Ecke. Viele "homeless" und andere Gestrandete, das bringt einen wieder auf den Boden zurück. Wir haben bei einem Chinesen zu Abend gegessen. Neben uns saß ein Frau, die Janis Joblin noch gekannt haben muß mit ihren hellblau- pinkfarbenen Haaren, gegenüber ein älteres (Männer-) Ehepaar, hinter uns eine mexikanische Familie und dazwischen wir Touris....herrlich!